Mittwoch, 18. Mai 2011

Parov Stelar und die Juwenalia

Am Wochenende ist Juwenalia. Was das ist?
Als Juwenalia bezeichnet man die jährlichen Feiern der Studenten in Polen anlässlich der bevorstehenden Examen.
Juwenalia feiert man an allen Universitäten des Landes. Sie finden normalerweise Ende Mai oder Anfang Juni statt, eben kurz vor den Sommerklausuren.
Die Juwenalia beginnt mit einer triumphalen Parade von bunt bekleideten Studenten (am Freitag). Traditionell zieht jede Hochschule der Stadt unter einem bestimmten Motto los.
Die Parade beginnt an einem der Hauptgebäude der Universitäten und führt dann von allen Richtungen kommend durch die Stadt zum Hauptmarktplatz, wo mit einer symbolischen Geste der Bürgermeister der Stadt den Studenten die Schlüssel zu den Toren der Stadt überreicht.
Die Feierei dauert gewöhnlich das ganze Wochenende und für diese Tage fällt der Unterricht komplett aus (Was man nämlich auch wissen sollte, in Polen ist es ganz normal auch Samstag und Sonntag Vorlesungen zu haben.).
Es gibt Konzerte, Sportveranstaltungen und Partys, die auf den Geländen der Universitäten stattfinden. Die meisten sind kostenfrei bzw. Tickets für einen schmalen Taler zu erstehen.

Bei uns in Krakau finden schon seit Montag Veranstaltungen und Konzerte statt.
Gestern Abend war ich auf dem Campus der Universität für Wirtschaft, um Parov Stelar live zu sehen. Live und for free.
Es war verrückt. Tausende von jungen Menschen drängten auf das Gelände und die Sicherheitskräfte kamen aus dem Schwitzen nicht mehr heraus. Wenn wir nicht über die Campusmauern geklettert wären, bin ich mir nicht mal sicher, ob wir überhaupt reingekommen wären.

Wer Parov Stelar noch nicht kennt, sollte ihn jetzt unbedingt "youtuben" und Fan werden.
Parov Stelar wurde als Marcus Füreder in Österreich geboren und ist einer der Pioniere des Electroswing.
Zusammen mit seiner Band mischt er als DJ Electro mit Downbeat und Jazzelementen. D.h., dass auf der Bühne neben DJ-Pult, Bass und Schlagzeug auch Saxophon und Trompete zugegen sind und von der unglaublichen Cleo mit Gesang begleitet werden.





Ein absolutes Muss, ein absolutes Highlight. Gestern Abend zwei Stunden gespielt und ich unter tausenden von Studenten mittendrin.


Und heute auf dem Programm? Lernen, pauken, lesen. Warum? Weil heute abend mal wieder ein Polnisch-Test auf dem Programm steht und nächste Woche die Klausur in Constitutional Systems of Central and Eastern European States. Juchu -.-

PS: Fotos zum Segelabenteuer liefere ich nach, ich muss sie jedoch erst ordnen.













Samstag, 7. Mai 2011

Muskelkater

Ich habe heute Muskelkater. Vom wilden Tanzen gestern Nacht. In meiner Lieblingsbar/meinem Lieblingsclub. Dem Piękny Pies (sprich: pi-eng-kne pi-es; dt.: schöner Hund).

Das Piękny Pies wird auf der Straße nicht groß angekündigt, es wird nicht groß beworben und befindet sich im Hinterhof eines Hauses und trotzdem ist es zu jeder Abend- und Nachtstunde vollkommen überfüllt. 
Künstler, die sich in geseufzten Worten mit Austauschstudierenden unterhalten, einheimische Jazz-Musiker die dazwischen funken und "Normalos" auf der Suche nach einer guten Zeit.
Früher befand sich die Kultbar in einer kleineren Location, aber aufgrund des großen Ansturms zog das Piękny Pies in Örtlichkeiten um, die um das Dreifache größer sind als die alten. Dennoch ist es ganz oft nur unter extremer Anstrengung möglich, sich zur Bar durchzukämpfen, um einen Drink zu bekommen. Das stört jedoch niemanden, denn die Atmosphäre ist einfach der Knaller. Locker, leicht, immer mit einem Lächeln.
In den oberen Räumen wird geredet, diskutiert und getrunken. Wenn man sich jedoch die dunkle Kellerstiege hinunter traut, erwarten einen die kuriosesten musikalischen Kreationen.
Hier werden Balkanmelodien mit Funk gemischt, Jazz-Elemente in Minimal eingefügt und Reggae mit Rock kombiniert. Unglaublich. Ich hab noch nie so verrückte Musik gehört, die sich ganz heimlich in deine Glieder schleicht und dich zum Tanzen bringt.

Hier zum Beispiel ein Knaller von der litauischen Band "InCulto":



Dienstag, 3. Mai 2011

Polen, das Land der Absurditäten, Vol. I

Es sind 5° C, eisiger Wind zieht durch die Straßen und es regnet.
Gestern hatte es 17° C und Sonnenschein.
Nebenan in Schlesien schneit's total heftig.
Man weiß nie, wie das Wetter wird.
Es ist einfach verrückt.
Am besten, trägt man Shorts und Bikini unter dem Wintermantel, Regenstiefel dazu, fertig. Das Wetter könnte sich ja wieder ändern.

Die Mai-Verfassung

Wusstet ihr, dass Polen die längste Verfassungstradition in Europa besitzt? Nein? Ist aber so.

Am 03. Mai 1791 wurde im Warschauer Königspalast die Verfassung von Polen-Litauen (Rzeczpospolita) vom Sejm verabschiedet.
Diese polnische Verfassung war das erste geschriebene europäische Grundgesetz und das zweite nach der Verfassung der USA von 1789 in der Geschichte der Menschheit. Sie gilt außerdem als die erste europäische Verfassung, die im Sinne der Aufklärung verfasst wurde.
Deswegen wurde der 03. Mai zum polnischen Nationalfeiertag erkoren.

Der Einfluss der Verfassung vom 03. Mai auf das Gesellschaftssystem und das politische System Polens hielt jedoch nicht lange an.
In den Jahren 1793-1795 wurde Polen endgültig zwischen Russland, Preußen und Österreich aufgeteilt und verschwand damit vollständig von der Landkarte.

Montag, 2. Mai 2011

Zuletzt in KRK ....

... Ostersonntag: Brunch in meiner Wohnung mit allen Leuten, die über Ostern nicht nach Hause fahren konnten oder wollten.
Jeder sollte ein nationales (Oster-) Gericht mitbringen, was zu witzigen Essenskompositionen geführt hat.


... Ostermontag: in Polen auch Smigus Dyngus (sprich: Schmingus Dingus; Ein Brauch, bei dem junge Frauen von den Männern mit Wasser besprengt werden (Eigentlich wird aber jeder mit Wasser besprengt. In manchen Städten gibt es riesige Wasserschlachten.) als eine symbolische Reinigung im Frühjahr. Eine christliche Interpretation führt den "Smigus Dyngus" auf die Christianisierung Polens zurück: Der Herrscher Mieszko ließ sich am Ostermontag des Jahres 966 taufen.
Nach mehr als tausend Jahren sind die alten Sitten ein wenig verändert worden.
Es werden nicht mehr elegant einige wenige Spritzer blütenduftenden Wassers verteilt, sondern es wird aus vollen Eimern geschüttet und mit eben den größten erhältlichen Wasserpistolen eiskalt geschossen. Besonders vor Kirchen, aber auch an Bushaltestellen, Hauseingängen, Unterführungen oder auf Brücken warten Gruppen von Jugendlichen darauf, ihren Opfern eine kalte Dusche zu verpassen.

Außerdem kam pünktlich (!) um 19.47 Uhr Ortszeit Besuch aus Ludwigsfelde an.


Dienstag, 26.04.: Besuch im Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau.
Ich bin mir nicht sicher, ob es einen Ort gibt, der selbst bei Sonnenschein an einem warmen Frühlingstag, mehr von Schatten verhangen wird, als der Campus von Auschwitz I, dem Kommandozentrum der Nazis und dem angrenzenden Lager Birkenau (Auschwitz II).

"Arbeit macht frei"

Birkenau

Montag, 25. April 2011

Heute in KRK...

... ein Besuch in Schindlers Emaillewarenfabrik in der Lipowa-Straße im Krakauer Viertel Podgórze, in dem die Nazis das jüdische Ghetto errichteten.


Außerdem: BESUCH AUS LUDWIGSFELDE :) von Mama, Papa und Anne.